P-DTR (Proprioceptive Deep Tendon Reflex)

Worauf basiert P-DTR?

P-DTR basiert darauf, dass Sinnes-Rezeptoren (Neurorezeptoren) im Körper – z. B. Muskel-, Sehnen-, Haut- und Gelenkrezeptoren – eine Schlüsselrolle für Bewegung, Schmerz und Funktion spielen. Das ist funktionelle Neurologie, Rezeptorlehre und manueller Muskeltest in einem.

Wenn diese Rezeptoren falsch funktionieren oder „fehl-gesteuert“ sind, kann der Körper kompensieren – dies kann mit chronischen Problemen, Schmerzen oder eingeschränkter Beweglichkeit einhergehen. Die Behandlung in P-DTR zielt darauf ab, diese Rezeptoren gezielt zu testen, dann mittels spezifischer Stimuli zu reaktivieren, um eine verbesserte neuronale Steuerung (Neuromotorik) zu unterstützen. Der Ansatz verbindet Elemente aus Neurologie, Biomechanik, Neurophysiologie und Bewegungs-/Manualtherapie. In einfachen Worten: Ziel ist es, nicht nur Symptome, sondern zugrunde liegende funktionelle Zusammenhänge zu berücksichtigen.

Schmerz entsteht häufig an Stellen mit übermäßiger Spannung in Muskeln, Faszien oder Bändern. Oft lässt sich diese Spannung nicht dauerhaft allein durch lokale Entspannung (z. B. Massage) lösen, da sie nach kurzer Zeit wiederkehrt.

Der Grund dafür ist, dass Muskeln, Sehnen und Bänder nicht isoliert arbeiten, sondern immer in funktionellen Gruppen und Gegenspieler-Systemen.

Ein vereinfachtes Beispiel, wie P-DTR Zusammenhänge funktionieren können:
Ellenbogengelenk.
Beim Beugen des Arms im Ellenbogen:

  • der Bizeps arbeitet in Kontraktion,
  • der Trizeps arbeitet gleichzeitig in Dehnung (als Gegenspieler).

Wenn der Trizeps geschwächt ist, wird die Bewegung nicht gleichmäßig verteilt. Dadurch entsteht eine Überlastung des Bizeps, was dort zu Schmerzen führen kann.

Die Schwächung des Trizeps muss jedoch nicht im Muskel selbst liegen. Sie kann z. B. dadurch entstehen, dass die Hautrezeptoren über dem Trizeps gestört sind, etwa durch eine Narbe. Über das Nervensystem beeinflusst diese Störung die muskuläre Ansteuerung.

Therapeutischer Ansatz
Um den schmerzhaften Bizeps nachhaltig zu entlasten, reicht es nicht, ihn direkt zu behandeln. Entscheidend ist:

  • die Ursache der Funktionsstörung zu finden (z. B. eine Narbe oder Hautirritation),
  • dort die sensorische Wahrnehmung und Rezeptorfunktion zu normalisieren.

Sobald die gestörte Information korrigiert wird:

  • kann der zuvor geschwächte Trizeps wieder besser angesteuert werden,
  • die Belastung kann sich physiologisch verteilen,
  • der Bizeps kann sich entspannen,
  • das wird oft als Erleichterung wahrgenommen.

👉 Kernidee:
Schmerz ist oft nicht das Problem selbst, sondern das Ergebnis einer gestörten biomechanischen und neuro-sensorischen Zusammenarbeit im Körper.

 
In welchen Kontexten wird P-DTR eingesetzt?
 
Die Methode P-DTR (Proprioceptive Deep Tendon Reflex) wird von Therapeuten häufig begleitend eingesetzt im Kontext von
 
– Schmerzen und Bewegungsstörungen, wenn Gelenke instabil sind, Muskeln nicht richtig arbeiten, es zu Krämpfen, Knacken oder Bewegungseinschränkungen kommt
– Nach Verletzungen oder Operationen, wenn der Körper sich „an den Schmerz erinnert“ und das Gehirn weiterhin in einem Schutzmodus bleibt
– Chronischen Schmerzen (Rücken, Nacken, Schultern, Knie, Füße), die immer wiederkommen und keine klare Ursache haben
– Haltungs- und Koordinationsproblemen (Rundrücken, Beckenverdrehung, Skoliose, Gleichgewichtsstörungen)
– Kopfschmerzen, Migräne und Neuralgien, wenn die Ursache nicht strukturell, sondern neuro-rezeptorisch ist
– Psychosomatischen Beschwerden, bei denen sich Stress im Körper zeigt (Verspannung, Schmerz, Schlafstörungen, Angst)
– Stürzen, Geburtsverletzungen, intensivem Sport oder bei Problemen wie Schiefhals, Plattfüßen oder Muskelverspannungen
– Kiefergelenksproblemen, chronischer Müdigkeit und dem Gefühl, dass „der Körper nicht richtig funktioniert“
– Zeit nach der Geburt, wenn es zu Rücken- oder Nackenproblemen kommt
 

P-DTR verbindet dabei Neurophysiologie, klinische Erfahrung und ein tiefes Verständnis darüber, wie das Gehirn Bewegung und Körperfunktionen steuert.

Ist P-DTR eine Wunderpille?

P-DTR ist keine Wundertherapie und auch kein Ersatz für Medizin oder Operationen. Es ist ein neurophysiologisches Werkzeug, das darauf ausgerichtet ist, Störungen in der Signalübertragung zwischen Gehirn und Körper zu erkennen und zu bearbeiten.

Ist P-DTR eine Art Osteopathie?

P-DTR ist keine Version der Osteopathie. Osteopathie arbeitet vor allem mit Struktur, Anatomie, manuellen Techniken. P-DTR arbeitet mit funktionellen Reaktionen des Nervensystems, sensorischen und motorischen Reflexen. Beide Methoden können kombiniert werden, aber sie basieren auf völlig unterschiedlichen Mechanismen.